
Mensch versus Person
Das Schuldkonzept
Es wichtig zu verstehen, dass es nicht ein Konzept ist, sondern ein Konzept der Schuld ist und in vielen Bereichen unseres Lebens zu finden ist. Wie in der Erziehung indem was man uns vermittelt. Aber auch in ganz grundsätzlichen Bereichen des Lebens und in den Bereichen des Systems selbst. Zum Beispiel im Geldsystem, das ganze Geldsystem basiert nur auf Schuld. Oder in der Religion, dass du als Säugling schon schuldig bist. Dieses Schuldkonzept beeinflusst uns in einer ganz massiven Art und Weise. Aber das geht noch in vielen anderen Bereichen weiter. Dieses Konzept der Schuld als solches hat eine unglaubliche Macht.
Bei der Frage nach Schuld geht es in einem fundamentalen Sinn auch um die Frage der Verantwortung. Im Begriff der Verantwortung steckt die Antwort. Und jede Antwort impliziert eine Frage. Verantwortung setzt immer einen Fragesteller und einen Befragten voraus. Wer immer dem Schulsystem, den Medien, der Politik, der Gesellschaft oder dem Westen Verantwortung für was auch immer zuschreibt, hat sich selbst in der Regel von dieser Verantwortung dispensiert. Eine grundlegende Voraussetzung für die Zurechnung von Verantwortung ist Freiheit, sind Selbstbewusstheit und Selbstbestimmtheit einer Handlung. Die Bevormundung des Menschen durch Instanzen, die suggerieren, nur sein Bestes zu wollen, indem sie ihm die Fähigkeit absprechen, selbst Entscheidungen zu treffen und für deren Folgen einzustehen, infantilisieren ihn nicht nur, sie beschneiden nicht nur seine Freiheit, sie nehmen dem Menschen auch die Würde. Verantwortung setzt Freiheit voraus. Und Freiheit impliziert immer ein Risiko. Auch das zur Selbstschädigung. Zur Verantwortung gehört auch die Selbstverantwortung. Und zur Selbstverantwortung gehört die Möglichkeit zu einem Handeln, das andere verantwortungslos finden können. Nur sollte man dann auch die Kraft und den Mut haben, dafür einzustehen. (Konrad Paul Liessmann, Philosoph – sinnerhaltend gekürzt)
Dass es mit der Intelligenz des überwiegenden Teils der Spezies Mensch nicht weit her sein könne, ist nicht nur von notorischen Pessimisten wie Arthur Schopenhauer vermutet bzw. schlicht konstatiert worden. Wie denn auch anders? Es fällt ja leicht, sich angeekelt abzuwenden von der Art und Weise, wie diese Wesen mit allem und jedem Scheitern, zumindest langfristig scheitern. Das Meer von Blut, Wahn und Dummheit, das diesen Planeten seit Jahrtausenden überschwemmt und unbegreiflicherweise noch nicht aus der Bahn geschleudert hat, ist von niemandem ernsthaft zu verkraften, in kein Bewusstsein integrierbar – es sei denn in das eines sadistischen Dämons von aussermenschlicher Herkunft. Was wir heute erleben, wir Nach-Hiroshima- und Nach-Auschwitz-Menschen, ist der Beinahe-Bankrott unserer Spezies, garniert mit einer unübersehbaren Zahl an frommen oder geistreichen oder dümmlichen Phrasen und ideologischen Attrappen.
Die Erde und keines der anderen Gestirne im Sternenhaufen ist eine Art Zuchthaus (Strafkolonie des Kosmos), in dem in sinnlosester Weise gewirkt wird. Was für Wohnen, Nahrung und Kleidung erforderlich ist, dürfte keineswegs einen derart hohen Aufwand an Arbeit verlangen. Nachträglich wäre festzuhalten, dass mit Hilfe des Geldes das Chaos und seine führenden Kräfte die Menschen durch jede Gosse gezogen haben.
Helmut Friedrich Krause, Philosoph ⇒ Der Baustoff der Welt PDF
Demokratie ist die Herrschaft der Würde des Menschen und das Recht, selbst zu denken, das Recht auf eine eigene Meinung, mehr noch, das Recht, die eigene Meinung auch ausdrücklich geltend zu machen und sich gegen das Eindringen in seine Psyche und psychischen Zwang zu schützen. Toleranz gegenüber Kritik und Ketzerei ist eine der Bedingungen von Freiheit. In einer demokratischen Regierung verlangen diejenigen, die in verantwortliche Positionen gewählt wurden, Kontrollen und Einschränkungen für sich selber, wissend, dass niemand ohne Fehler ist.
Wie schon Schopenhauer in seinem Werk folgerichtig ableitete: «Der einsehbare Charakter ist der Wille des Menschen als das Ding an sich, sein wahres Wesen, das von Erscheinung ganz und gar unabhängig ist, als solcher liegt er jenseits der Vorstellungswelt und ist dem Satz vom Grund und der Notwendigkeit nicht unterworfen.»
Ein Mensch fühlt sich nur verpflichtet, wenn er frei ist und jede Verpflichtung für sich genommen impliziert Freiheit.
